Kollagenquervernetzung (Crosslinking)

Risikoarme Therapie zur Behandlung von kegelförmigen Vorwölbungen der Hornhaut (Keratokonus).

Was tun bei einer instabilen Hornhaut?

Bei Ihnen wurde ein Keratokonus oder eine verwandte Veränderung der Hornhaut (z. B. Pellucide marginale Degeneration, Keratoglobus, Hornhautektasie nach LASIK) festgestellt, die man unter dem Oberbegriff „ektatische Hornhauterkrankungen“ zusammenfasst. Hierbei handelt es sich um eine meist kegelförmige Vorwölbung der Hornhaut, die durch eine zu geringe Hornhautstabilität bedingt ist.

Im Folgenden möchten wir Sie über die bei Ihnen mögliche Therapie der Kollagenquervernetzung informieren.

Riboflavin (Vitamin B2) und UV-A-Bestrahlung zur Behandlung des Keratokonus

Es wird vermutet, dass beim Keratokonus eine Störung zwischen den Kollagenmolekülen des bindegewebigen Stützgerüstes der Hornhaut vorliegt. Hierdurch ist die biomechanische Stabilität der Hornhaut infolge einer zu geringen Vernetzung des Kollagens reduziert.

Das Ziel bei der Kollagenvernetzung mit Riboflavin und UV-A-Licht besteht in der künstlichen Erhöhung des Grades der Vernetzungen in der Hornhaut, um so wieder eine ausreichende mechanische Stabilität herzustellen. Diese wird im Bindegewebe hauptsächlich durch die Zahl der Querverbindungen zwischen den Fasern eines Gewebes erzeugt. Ein Fortschreiten der kegelförmigen Aussackung der Hornhaut soll so verhindert werden.

Die photooxidative Quervernetzungsmethode mittels Riboflavin und UV-A-Licht ist in kurzer Therapiezeit einfach und sicher handhabbar und hat keinen Einfluss auf die Klarheit der Hornhaut und damit auf das Sehen.

Die Behandlung der anderen genannten Veränderungen entspricht der des Keratokonus, wobei die Behandlungsmethode bei Verdünnung vor allem im Randbereich der Hornhaut nur bedingt zum Einsatz kommen kann oder eine deutlich begrenztere Prognose hat. Insbesondere zur Wirksamkeit der Kollagenquervernetzung bei den verwandten Hornhautveränderungen gibt es bislang bei geringen Fallzahlen positive Hinweise für den Erfolg. In Anbetracht fehlender Behandlungsalternativen mit vergleichbar geringem Risikoprofil erscheint im Einzelfall ein Behandlungsversuch sinnvoll, zumal andere Therapieoptionen dadurch nicht beeinträchtigt werden.

Kommt die Crosslinking-Behandlung für Sie in Frage?

Die Behandlung ist immer dann sinnvollerweise zu erwägen, wenn zum einen mit dem gegenwärtigen Zustand noch ein brauchbares Sehvermögen mit verträglicher Korrektur zu erzielen ist, zum anderen ein weiteres Fortschreiten zu erwarten oder nachgewiesen ist. Sie ist deshalb umso sinnvoller, je weniger weit die Verformung bisher fortgeschritten ist und je schneller die Verformung fortschreitet bzw. dies zu erwarten ist. Dies kann erfahrungsgemäß etwa bei sehr frühem Krankheitsbeginn und begleitenden Risikofaktoren (z. B. Neurodermitis, atopisches Ekzem) häufig beobachtet werden kann.

Da die Kollagenquervernetzung ein sehr risikoarmes Verfahren mit guten Erfolgsaussichten ist, empfehlen wir die Behandlung möglichst frühzeitig. So zum Beispiel, wenn eine Befundverschlechterung anhand sich häufig ändernder Brillengläser oder Kontaktlinsen bzw. in hornhauttopografischen Untersuchungen nachvollziehbar ist, gleichzeitig aber noch ein für den Patienten brauchbares Sehvermögen mit Brille oder Kontaktlinsen erzielt wird.

Da sich die Progressionstendenz mit zunehmendem Lebensalter verlangsamt und nach etwa dem 50. Lebensjahr oft nur noch minimal über längere Zeiträume ist, wird die Indikation zur Durchführung der Behandlung zurückhaltender gestellt. Jedenfalls sind aber regelmäßige augenärztliche Kontrollen mit topografischer Vermessung der Hornhaut empfehlenswert.

Der Behandlungsablauf

  • Die Vernetzungsbehandlung zur Stabilisierung der Hornhaut wird ambulant in örtlicher Betäubung (Augentropfen) durchgeführt.
  • Vor der eigentlichen Bestrahlung mit UV-A-Licht wird die oberste Zellschicht der Hornhaut entfernt, damit das Riboflavin (Vitamin B2) in das Gewebe eindringen kann.
  • Die Hornhaut wird in regelmäßigen Abständen mit Riboflavin-Augentropfen betropft. Anschließend wird die Augenoberfläche mit einer UV-A-Lichtquelle beleuchtet. Während dieser Zeit wird die Hornhaut weiter mit Riboflavin betropft, welches hierbei als sog. Photosensibilisator dient und die UV-Strahlung absorbiert.
  • Während der Behandlung fixiert der Patient, der auf einer Liege auf dem Rücken liegt, ein Ziellicht. Durch die angewandten betäubenden Augentropfen ist die Behandlung selbst völlig schmerzfrei.
  • Durch die Beleuchtung wird das Riboflavin in der Hornhaut in einen angeregten Zustand versetzt, der einen photochemischen Prozess auslöst, in dem Sauerstoffradikale erzeugt werden. Die Sauerstoffradikale bewirken Wechselwirkungen mit dem Kollagen der Hornhaut, wodurch zwischen den Kollagenmolekülen Brückenbindungen entstehen. Dabei wird über 90 % des UV-Lichts in der Hornhaut aufgenommen, sodass keine Gefahr für die körpereigene Linse bzw. die Netzhaut besteht.
  • Nach der Behandlung wird eine weiche Kontaktlinse als schützender Verband auf die Hornhaut aufgesetzt. Diese Verbandkontaktlinse sollte bis zur vollständigen Heilung der Hornhautdeckschicht belassen werden. Anfängliche Schmerzen oder ein Fremdkörpergefühl sind nicht ungewöhnlich. Diese Beschwerden können jedoch durch Augentropfen sowie Schmerztabletten gelindert werden.
  • Tägliche augenärztliche Kontrollen zum Ausschluss von Entzündungen sind bis zum Verheilen der Hornhautoberfläche nach ca. 3 bis 5 Tagen erforderlich.
  • Sollten Sie bereits vor der Kollagenvernetzung formstabile Kontaktlinsen getragen haben, so können diese in der Regel bereits nach einigen Wochen wieder getragen werden. Dies sollte jedoch erst nach augenärztlicher Kontrolle erfolgen, um festzustellen, dass der Kontaktlinsensitz noch einwandfrei ist. Eine Neuanpassung von Kontaktlinsen ist frühestens 3 Monate nach dem Eingriff sinnvoll.

Nach den bisherigen Ergebnissen dieser – 1998 erstmalig und mittlerweile an vielen Tausenden von Patienten durchgeführten – Therapie kann erwartet werden, dass eine stärkere Vernetzung der Hornhautbindegewebsmoleküle (Kollagene) erfolgt.

Dies verhinderte im bisherigen Beobachtungszeitraum ein weiteres Fortschreiten des Keratokonus, und es konnte sogar in der Mehrzahl der Fälle eine Befundbesserung im Sinne einer Reduzierung der irregulären Hornhautverkrümmung erreicht werden. Diese Effekte können frühestens 3 Monate nach der Behandlung beobachtet werden. Häufig kann bis zu 2 Jahren nach Kollagenquervernetzung noch eine Abnahme der Hornhautkrümmung erfolgen. Da dies im Einzelnen nicht vorhersagbar ist, kann eine Besserung jedoch keinesfalls garantiert werden.

Durch eine mögliche Änderung der Hornhautwölbung kann unter Umständen eine Neuanpassung formstabiler Kontaktlinsen erforderlich werden.

Als vorübergehende Nebenwirkungen sind eine Rötung des Auges, Kratzen, Brennen sowie verschwommene Sicht und Blendung durch helles Licht in den ersten Wochen nach der Operation beschrieben. Außerdem besteht bei nahezu allen Patienten für 3 bis maximal 6 Monate eine mit der Zeit abnehmende hauchige Hornhauttrübung, wodurch das Kontrastsehen in der Dämmerung herabgesetzt sein kann. In Einzelfällen können Trübungen dauerhaft zurückbleiben. Diese werden von der Mehrzahl der Patienten jedoch nicht als störend empfunden.

Schwerwiegende Komplikationen, im Wesentlichen eine Infektion der Hornhaut oder bleibende Trübungen der Hornhaut im Sinne von Narben und eine damit einhergehende Verschlechterung der Sehleistung, sind dabei nur sehr selten zu erwarten.

Eine zusätzliche bzw. spätere Therapie in Form von Einsetzen von Kunststoffringen (ICRS) in die Hornhaut bzw. eine Hornhauttransplantation wird durch eine vorangegangene Kollagenvernetzung nicht behindert. Nach den heutigen Erfahrungen ist davon auszugehen, dass der Effekt der Kollagenquervernetzung möglicherweise nicht lebenslang vorhält. Eine erneute Vernetzung kann dann in Abhängigkeit von der Sehleistung und der Befunde sinnvoll sein.

Gehen Sie sofort zu Ihrem Augenarzt oder ggf. zu Ihrem augenärztlichen Notdienst, wenn Sie eine Verschlechterung jeglicher Art (z. B. Schmerzen, stark gerötetes und/oder verklebtes Auge, Sehverschlechterung) bemerken sollten.

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