Montag, 18. Dezember 2006
Wintersport in den Bergen: Gutes Sehen schützt!
Experteninterview mit Dr. Dimitriou Zottos
Egal ob Skifahrer oder Snowboarder - gutes Sehen ist Grundvoraussetzung, damit Sie Ihre Freizeitaktivitäten in den Bergen unfallfrei und uneingeschränkt genießen können. In unserem Experteninterview gibt Ihnen Dr. Socrates Dimitriou, medizinischer Leiter der Augenklinik Realeyes GmbH in München, Tipps, wie Sie möglichst sicher und augenschonend durch den Winter kommen.
Weshalb ist das Auge beim Wintersport besonders gefährdet?
Dr. Dimitriou: Das Auge ist nicht nur einer direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt - und je höher in den Bergen desto intensiver -, sondern auch einer indirekten, da der Schnee die Strahlung zusätzlich reflektiert.
Ist ein gelasertes Auge dabei besonders empfindlich?
Dr. Dimitriou: Prinzipiell nicht, lediglich in den ersten sechs Wochen nach der Laserbehandlung sollte das Auge keiner starken UV-Strahlung ausgesetzt werden. Ob gelasert oder nicht: Eine gute Sonnenbrille sollte ganz selbstverständlich zu jeder Skiausrüstung gehören.
Was sollte der Skifahrer beim Kauf einer guten Sonnenbrille beachten?
Dr. Dimitriou: Zunächst: Ein 100%-iger UV-Schutz der Gläser ist Mindeststandard. Wobei leider oft der falsche Glaube herrscht, je dunkler die Gläser, desto höher sei dann der UV-Schutz. Das eine hat mit dem anderen aber nichts zu tun. Dunkle Gläser ohne UV-Schutz sind sogar gefährlicher, da die Pupille weit gestellt wird und die UV-Strahlung ungeschützt ins Auge gelangt. Die Folge beim Skifahren wäre z.B. die temporäre Schneeblindheit. Dabei handelt es sich ähnlich eines Sonnenbrandes um ein schmerzhaftes Verbrennen der Hornhaut. Deshalb: Sonnenbrillen ohne 100%-igen UV-Schutz bitte sofort in den Müll!
Wofür sind die verschiedenen Tönungen bei der Skibrille geeignet?
Dr. Dimitriou: Dunklere Gläser sind während des Tages bei viel Sonnenlicht wirksamer, sollten aber bei nachlassendem Licht sofort gegen hellere getauscht werden. Gelbe und orange Scheiben bieten eine deutliche Kontrastverstärkung bei diffusen Lichtverhältnissen.
Das bedeutet, man braucht mehrere Brillen zum Skifahren?
Dr. Dimitriou: Wer bei jedem Wetter fährt, der sollte auch für jede Situation gerüstet sein. Inzwischen bieten die meisten Hersteller Brillen mit austauschbaren Gläsern an. Das Wechseln ist inzwischen sehr komfortabel und während einer Liftfahrt schnell erledigt.
Was sollte der Wintersportler beim Brillenmaterial noch beachten?
Dr. Dimitriou: Damit bei einem Sturz schwere Verletzungen durch die Brille vermieden werden, sollte die Fassung über keine harten Teile wie Metall verfügen und die Gläser sollten aus Kunststoff sein.
Für Skifahrer mit Sehbrille nicht leicht umzusetzen.
Dr. Dimitriou: Fast jeder zweite Skifahrer lässt angeblich seine Sehbrille zuhause, weil sie ihn stört. Skifahren mit Sehbrille ist unkomfortabel und ein ganz häufiges Motiv für sportlich Aktive, auf Kontaktlinsen umzusteigen oder gleich über eine Laserbehandlung nachzudenken.
Inwieweit wirkt sich schlechtes Sehen auf die Unfallgefahr beim Skifahren aus?
Dr. Dimitriou: Laut Untersuchungen entstehen 80% der gemeldeten Skiunfälle aufgrund mangelnder Wahrnehmung. Auf der Skipiste ist es wichtig, andere Skifahrer in Bezug auf ihre Entfernung, Geschwindigkeit und Fahrtrichtung frühzeitig und richtig einschätzen zu können. Dies geschieht meistens aus den Augenwinkeln heraus. Dieses periphere Sehen funktioniert schlecht, wenn ein Fahrer aufgrund schlechten Sehens sich voll auf das Geradeausfahren konzentrieren muss. Dieser "Tunnelblick" erhöht die Gefahr eines Zusammenstoßes deutlich. Daher sollte beim Skifahren das Gleiche gelten wie im Straßenverkehr: Keine Kompromisse bei der Sehleistung!
